Felix Orsini-Rosenberg

Jede Aufgabe ist von Grund auf neu zu sehen. Ebenso ist jede Aufgabe nicht neu zu sehen und auf die entsprechende Tradition hin zu untersuchen. Ich möchte so jedes Problem gleichzeitig in die linke und in die rechte Hand nehmen und so lange wechselseitig betrachten, bis eine Lösung so und nicht anders sein kann. Ich möchte auch jede Aufgabe mit einem für mich vorbildlichen Meister (ob anwesend oder verstorben) in Stille besprechen bzw. einen Dialog führen. Das ist nicht eine Suche nach Formvorlagen, sondern die nach einer grundsätzlichen Haltung. Dem Bauherrn widerspreche ich einmal, ein andermal stimme ich zu. So lange bis der Gegensatz zu einem Fluß wird. Aber auch dieser Fluß muß streckenweise aufwärts fließen können.

Felix Orsini-Rosenberg, Meine Einstellung

Das Glück, die Vielfalt des Lebens, der Welt kennenzulernen, Urbanität und Natur gleichermaßen in sich aufnehmen zu können, war Felix Orsini-Rosenberg von Anfang an gegeben. Als Sohn eines Botschafters 1929 in Salzburg geboren, waren Ljubljana, Den Haag und Kairo Orte der Kindheit. Die Pressionen des 3. Reichs / der nationalsozialistischen Zeit, erlebte er in Damtschach, da sein Vater 1938 zwangspensioniert wurde. Auch diese Zeit hat wohl stark zu seiner späteren „unangepassten", offenen Denkweise geführt. Das Studium der Architektur ab 1949 in Wien, die Studienzeit insgesamt, mit der in Wien damals herrschenden „Aufbruchsstimmung" für die modernen Entwicklungen in Kunst und Kultur, waren weitere prägende Faktoren. Den trotzdem in Wien vorhandenen selektiven Wahrnehmungen „entkam" Felix Orsini-Rosenberg aber durch seine permanente Neugier als Kosmopolit sowie durch Kontakte und Auslandsaufenthalte. Durch die Teilnahme an der Internationalen Sommerakademie in Salzburg, am Architekturseminar von Hermann Baur, kam er in dessen Büro. Die Zeit bei Baur in Basel, damals im Architekturgeschehen und neuen Formen des Kirchenbaus eine maßgebliche Persönlichkeit, das Kennenlernen der Bauten von Le Corbusier und der Pariser Avantgarde, waren weitere, prägende Erfahrungen für diesen kosmopolitischen Geist. Die Hochzeit 1960 mit seiner Frau Brigitte Orsini-Rosenberg, die bei Oswald Haerdtl in Wien studiert hatte und in Paris die „Ecole de Paris", die damalige Avantgarde und Modeme kennengelernt hatte, fördert die weiteren Entwicklungen offener Denkungsweise in der Familie.

Das eingegrenzte Denken in vorgegebenen Kategorien war für Felix Orsini-Rosenberg niemals Option. Die Einbeziehung aller Bereiche von Kultur, Bauen, Architektur und Umwelt, eigentlich grenzenloses Denken, war sein Thema. Diese umfassende Denkweise zeigt sich nicht nur in den zahlreichen Tätigkeiten und Engagements von Orsini-Rosenberg - z.B. in der ÖGFA, in der Katholischen Aktion, als Mitbegründer von Architekturbüros - , sondern auch sehr deutlich bei seinen diversen konzeptuellen und gestaltenden Tätigkeiten, sowie natürlich bei seinen ausgeführten Bauten.

Ausbildung

1949 - 1956 Architekturstudium an der Technischen Hochschule Wien

1955 Salzburger Sommerakademie (Hermann Baur)

Berufliche Laufbahn

1955 Mitarbeit im Atelier Hermann Baur

1969 - 1975 büro 21

1975 - 1980 Österreichische Gesellschaft für Architektur (ÖGFA), Generalsekretariat

Auszeichnungen und Ämter

1993 Landesbaupreis für das Pfarrzentrum Welzenegg

1999 Würdigungspreis für Baukultur des Landes Kärnten

Werkliste

1968 Kapelle St. Antonius, Treffen

1970 - 1972 Maria Loretto Strandbad, Klagenfurt mit Karl Hack - büro 21

1984 Neuordnung Kapelle St. Andrä im Lavanttal

1985 - 86 Neuordnung Kapelle Waaggasse

1989 Neuordnung Kirche im St. Jakob/Rosental

1992-1993 Herz-Jesu Pfarre Welzenegg mit Franz Freytag - büro 21

1998 Papstbesuch in Gurk (Gesamtkonzept mit J. Mayr)

2000-2001 evang. Kirche Gmünd

2001 Neuordnung Kirche Krumpendorf

2002 Neuordnung Evangelische Kirche Arnoldstein

Literatur

Felix Orsini-Rosenberg, Zeitschrift: Architekt 3 / 1976

Friedrich Achleitner, Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert, Band II Kärnten, Steiermark, Burgenland, Residenzverlag, 1983.

Sivie Aigner, Emanzipation und Konfrontation K08, Architektur aus Kärnten seit 1945 und Kunst im Öffentlichen Raum heute, SpringerWienNewYork, 2008.

Herbert Muck, Der Raum, Wien, 1986

Herbert Muck, Gegenwartsbilder, Kunstwerke und religiöse Vorstellungen des 20. Jahrhunderts, Picus, 1988.

Bauer, Horner, Krön, Wir sind Kirche – Sind wir Kirche? Ottomüller Verlag, Salzburg, 1988

Otto Kapfinger, Neue Architektur in Kärnten, Verlag Anton Pustet, 2006

Bernhard Steger, AZW, Ottokar Uhl. Verlag Anton Pustet, Salzburg – München, 2005

Beny Meier, Architektur in Kärnten 1980 – 1992, Ritter Verlag, Klagenfurt, 1992

Brigitte Orsini-Rosenberg, Einfacher Luxus, Kunst, Natur und Arbeit in Schloss Damtschach, Czernin Verlag, 2014

Annemarie Fleck, Die Kirchenzeitung Nr. 31, 2. 7. 1989

Helmut Hempel, Raum ohne Öffnung? Architektur & Bauforum 175 / 1996

Sonstige Quellen

Vor- und Nachlass Felix Orsini-Rosenberg, Bauarchiv Kärnten

Nachlass Felix Orsini-Rosenberg Dokumentation und Auflistung

Dokumentation zur Übergabe und Archivierung vom Nachlass Felix Orsini-Rosenberg
Auflistung Nachlass Felix Orsini-Rosenberg

Anmerkungen

Text und Recherche: Axel Hubmann und Peter Nigst

Version I: 12. Dezember 2021