Kärntner Zersiedelungs-Manifest (mit büro 21)

Die Ideen der Studie Siedlung Ebental sind Ausgangspunkt weiterer Aktivitäten. Felix Orsini-Rosenberg erarbeitet Texte zu einem Kärntner Zersiedelungsmanifest, die hier auszugsweise abgedruckt sind. Die Zusammenarbeit im büro 21 ermutigt mit dieser wichtigen Agenda in die Öffentlichkeit zu gehen. In der Kleinen Zeitung vom 21. Feber 1970 wird über die Aktion Zersiedeltes Kärnten berichtet und der Partezettel zur Multimediaschau mit veröffentlicht:

„…Ein Partezettel übermittelt uns eine traurige Nachricht. Er dient als Plakat für einen Lichtbildervortrag, der zur Zeit in den Kärntner Städten gezeigt wird. (oder, wie in Villach auch nicht). Er handelt von der Zersiedelung der Kärntner Landschaft. Was ist Zersiedelung? Ein Blick vom Pyramidenkogel, eine Fahrt durch das Rosental kann es uns eindringlich erläutern. Häuschen am Straßenrand, Häuschen mitten im Acker, Häuschen auf der Kuppe, Häuschen sogar im Wald, Häuschen, Häuschen, Häuschen, wahllos hingestreut über „Wald und Flur“. Was dazwischen noch übrigbleibt, soll die vielgerühmte Kärntner Landschaft sein. Jene Landschaft, die Basis für Kärntens Haupteinnahmsquelle, nämlich der Fremdenverkehr, aber auch jene Landschaft, die unseren Lebensraum darstellt…“

„…Verdichtung der Bebauung – In der Ebene durch Reihenhausanlagen, Atriumhausbebauungen usw., also dichtes Aneinanderbauen (Entfall des albernen Drei-Meter Abstandes zur Grundstücksgrenze). – Bei Hängen durch Terrassensiedlungen, also durch direktes An- und Übereinanderbauen, bei gleichzeitiger Errichtung und Begehbarkeit von Flachdächern wird eine hundertprozentige Ausnützung des Grundstückes erstmals ermöglicht…“ (Kapfinger 2008, S. 63f.)

Eva Rubin schreibt in K08: „…Zur selben Zeit hielt Architekt Karl Hack in der Reihe Podium zu eben diesem Thema einen vielbeachteten Vortrag. Sein Motto hieß: statt ewig nur Häuser zu bauen, müssen Städte gebaut werden! – Es war ein weiterer im Nachhinein gesehen wirkungsloser Appell, das Thema Wohnen nicht isoliert für den Einzelnen, sondern nur im Zusammenhang zu verstehen….“ (Rubin 2008, S. 103ff.)

Die zur Diskussion gestellten Themen sind heute fünfzig Jahre später weiterhin nicht bewältigt – nur das Ausmaß der Landschaftszerstörung
hat sich vervielfacht. Vorausdenken und politisch als nicht so opportun geltende Maßnahmen werden bis heute vermieden. Die Allgemeinheit beginnt erst sehr langsam zu begreifen, dass der Umgang mit der Ressource Boden nicht täglich mehrere fußballfeldgroße Versiegelungen für Einkaufmärkte etc. verträgt. Auch für die immer weiter in Alpine Hochlagen eingreifende Tourismus-Erschließungen beginnt die Akzeptanz deutlich zu schwinden! – Ein Hoffnungsschimmer im Umgang mit unserer Landschaft und ihrer Schönheit…? (Nigst 2021, S. 42f.)

Kärntner Zersiedelungsmanifest Konzeptentwurf Felix Orsini-Rosenberg/büro 21

Recherche: Peter Nigst

Weitere Quellen: Vor- und Nachlass Felix Orsini-Rosenberg, Bauarchiv Kärnten

Adresse
Raum Kärnten
Planer*innen
Felix Orsini-Rosenberg/büro 21
Bauzeit
Fertigstellung: 1970
Publikationen
  • Kapfinger, Otto (2008), Ebentaler Siedlung; Aktion "Zersiedeltes Kärnten", 1968-74. In: Aigner, Silvie (Hrsg.), Emanzipation und Konfrontation. Band II. Architektur aus Kärnten seit 1945 und Kunst im öffentlichen Raum heute. Wien/New York: Springer, S. 63f.
  • Nigst, Peter 2021, Felix Orsini-Rosenberg 1929 - 2020. Schriftreihe Bauarchiv Kärnten. Wien: Album.
  • Rubin, Eva (2008), Die Ware Wohnung. In: Aigner, Silvie (Hrsg.), Emanzipation und Konfrontation. Band II. Architektur aus Kärnten seit 1945 und Kunst im öffentlichen Raum heute. Wien/New York: Springer, S. 103ff.